Freifunk – ganz ohne Lizenz

Von Michael Renner, DD0UL

Mit meinem Freifunkrouter will ich (neuen) Nachbarn eine rudimentäre Internetanbindung bieten, noch bevor ein Provider Telefon und DSL anschliesst. Dafür gebe ich von meinen 16MBit/s max. 3MBit/s für den Freifunk frei. Diese 3MBit/s sind für den Nutzer besser als nichts, allerdings für die tägliche Nutzung auch nicht wirklich ideal. Ob sich aus den mit Freifunk gesammelten Erfahrungen Lehren für HAMNET schliessen lassen wird die Zukunft zeigen.

Fensterdurchführung | CC BY 3.0 Michael Renner

Fensterdurchführung | CC BY 3.0 Michael Renner

Nach 4 Wochen Betrieb bei dem der Router auf dem Fensterbrett stand stellte ich fest, dass der Router zwar lief und erreichbar war, bisher aber nicht genutzt wurde. Deswegen machte ich einfache Reichweitentests mit dem Mobiltelefon und stellte fest, dass in nur 3-4 Häuser Entfernung das Signal kaum noch nutzbar war*. Von einem Router auf dem Balkon versprach ich mir mehr, allerdings gab es zuvor ein kleines Problem zu lösen: Auf dem Balkon gibt es weder einen LAN-Anschluss noch eine Steckdose.

Netzwerk auf den Balkon zu bringen sollte das kleinste Problem sein. In der Kiste mit Edelschrott lag noch eine WLAN-Bridge von Netgear, mit der ein inzwischen nicht mehr genutzter PC ins Netz gebracht wurde. Diese Bridge, angeschlossen an den Router, sollte für die Netzanbindung sorgen. Die Alternative wäre ein Raspberry Pi Modell A+. Mit wenig Netzwerkkonfiguration hätte der auch als Bridge funktioniert.

Fensterdurchführung | CC BY 3.0 Michael Renner

Fensterdurchführung | CC BY 3.0 Michael Renner

Das Problem mit der Spannungsversorgung war schon schwieriger zu lösen. Ein Loch durch die Wand kam nicht in Frage, es sollte anders gehen. In der Bastelkiste fanden sich einige Fensterdurchführungen aus dem Bereich des Satelliten-TV. Die hatte ich mal gekauft, um eine KW-Antenne anzuschliessen. Bei Conrad zahlt man fast 23 € dafür, beim Fachhändler zwischen 6 € und 8 €. Ich bestellte damals bei Reichelt ein halbes Duzend für je 90 Cent. Ein Kabel das 100W auf KW aushält sollte auch ein bisschen Strom für das WLAN transportieren können. In der Bastelkiste lag auch ein 19V Notebooknetzteil das nicht mehr gebraucht wurde. Blieb die Frage wie aus 19V die 5V für die WLAN-Bridge und 9V für den Router werden sollen. Etwas längsgeregeltes mit 7805 bzw. 7809 kam nicht in Frage – Energie ist zu kostbar um sie in Wärme zu verwandeln. Auf ebay fand ich einstellbare Drop-Down Regler aus China für je 2.99 € und bestellt zwei Stück. Tatsächlich sind diese knapp 4 € die einzige Investition die ich tätigen musste. Das HF-dichte Gehäuse, auf das ich ich auf keinen Fall verzichten wollte, kam aus dem Küchenschrank: Eine Konservendose mit Gänsemägen (der Inhalt wurde gebraten und gegessen).

Fensterdurchführung | CC BY 3.0 Michael Renner

Abdeckung mit Freifunk | CC BY 3.0 Michael Renner

Der Rest ist schnell erzählt: Löcher in die (gespülte) Konserverdose bohren und die vorab eingestellten Spannungsregler auf Abstandsbolzen schrauben. Für die Kabel mit 19 Volt von Netzteil sowie 5V bzw. 9V sollten unbedingt Kabeldurchführungen genutzt werden. So eine Konservendose hat scharfe Kanten! Das Kabel vom Netzteil abschneiden und mit einem F-Stecker und reichlich Uhu Plus 300 Endfest an der Satellitendurchführung verkleben. Das selbe Verfahren wird auf der anderen Seite angewendet. Um diese Konstruktion halbwegs HF-dicht zu bekommen wir der Deckel der Dose flach gedengelt und mit Klebeband befestigt. Nachdem diese Konstruktion in Betrieb genommen wurde ging ich nochmal auf die Strasse um die Reichweite zu messen. Das Ergebnis war erfreulich. Bis zu unserer Lieblingskneipe fehlen etwa 200 Meter. Weitere 200m sind sicher machbar – wir werden sehen!

Router auf dem Balkon | CC BY 3.0 Michael Renner

Router auf dem Balkon | CC BY 3.0 Michael Renner

*) Gleichzeitig fiel auf, dass die Fritzbox, die mitten in unserer Wohnung auf dem Schrank steht, unten auf der Strasse besser und weiter zu empfangen war als der 19 € teure TP-Link TL-WR84 auf dem Fensterbrett. Mit einer Firmware für ausgemusterte Fritzboxen könnte deutlich mehr Reichweite erzielt werden. Leider gibt es die nicht.

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